Wohnungssuche

Ahmad war es gewohnt viel Platz zu haben. Er ist mit seinen zehn Geschwistern in einem vierstöckigen Haus  aufgewachsen und mit seiner Frau Lamia hat er eine 110qm Wohnung gehabt. Einen Monat vor seiner Flucht haben sie die Raten für den Baugrund abgezahlt, auf dem sie ein eigenes Haus bauen wollten.

Seit gut eineinhalb Jahren wohnt Ahmad jetzt in Heimzimmern, die längste Zeit mit sechs, dann mit fünf und momentan mit vier anderen Männern (und war dabei übrigens immer der einzige Syrer unter Afghanen und Irakern).
Bald endet seine Grundversorgung und er muss das Heim verlassen. Mit der vagen Hoffung, danach vielleicht in einem Wohnprojekt unterzukommen, will er sich nicht begnügen und am liebsten würde er sowieso sofort ausziehen, um endlich wieder einen Raum für sich haben. Also hat Ahmad sich auf Wohnungssuche begeben. Mit den finanziellen Mitteln der Mindestsicherung ist das allerdings sehr schwierig. Ahmad geht es wie sehr vielen in seinem Bekanntenkreis: Alle suchen Wohnung, alle treffen auf Vermieter, die wissen, dass alle Wohnung suchen – und diesen Umstand für sich ausnützen. Ahmad kennt keinen alleinstehenden Mann, der allein ein Zimmer hat und niemanden, der mit den in der Mindestsicherung dafür vorgesehenen 210 Euro seinen Wohnbedarf decken kann.

Das letzte Zimmer, das er sich angeschaut hat, war ein halbes WG-Zimmer für 250 Euro. Das erste, was der Mitbewohner und Vermieter gefragt hat, war, ob Ahmad Alkohol trinkt. Das sei in der Wohnung nämlich verboten. Ahmad hat sofort wieder umgedreht, weil mit „Fanatikern“ will er nichts zu tun haben.

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