Archiv für den Monat September 2013

Superädifikat 22-26

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Der Fischstand am Schwendermarkt steht zum Verkauf, weil der Besitzer Eduard Peregi in Pension gegangen ist. Eigentlich würde er trotzdem gern noch weitermachen, aber seine Gesundheit lässt es nicht zu. Falls sich kein Käufer findet, betreibt er den Stand vielleicht bis Weihnachten, damit die Leute am Heiligen Abend etwas Ordentliches zu Essen kriegen, sagt Eduard Peregi jun, der seit 2004 Betreiber des Gasthaus Quell ist. Vielleicht übernimmt der Junior ihn auch selber und sucht sich einen Geschäftsführer, immerhin, sagt er, ließe sich der Standort nach wie vor ökonomisch sinnvoll halten. Der Senior hat den Stand seit 1969 betrieben (und seit dem kompletten Neubau des Marktes 2002 in neuer Gestalt (wahrscheinlich ist die rätselhafte Standnummer (22-26) Überrest einer früheren Kleinteiligkeit)) und soweit Eduard Peregi informiert ist, wurde hier immer schon Fisch verkauft. Immer heißt in diesem Fall maximal seit 1833, damals ist der Schwendermarkt gegründet worden. Die Kontinuität kommt nicht von ungefähr, die Marktordnung hatte nämlich bis 2006 eine Art Flächenwidmung vorgesehen, nach der auf ein Fischgeschäft nur ein Fischgeschäft, auf einen Obststand nur ein Obststand etc. folgen durfte.

Da wir aber „keinen Kommunismus haben“, wie Alexander Hengl, der Mediensprecher des Marktamtes das ausdrückt, darf seither mit dem Besitzer/der Besitzerin auch die Ware wechseln, denn „der Markt soll das selber regeln.“ Und das Marktamt regelt ein bisschen den Markt (immerhin haben wir noch eine Sozialdemokratie): Auf Gastronomie muss Gastronomie folgen, auf Lebensmittel Lebensmittel und auf andere Waren andere Waren . Wie lang am Standort tatsächlich schon Fisch verkauft wird, weiß Hengl allerdings nicht („und sonst auch kein Mensch“), weil die Vergabe der Stände über Zuweisungen geregelt ist und nicht über Verträge. Zuweisungen sind Akten und Akten wandern nach 5 Jahren in den Reißwolf.

Die Peregis können ihr Geschäft nicht einfach zurückgeben, weil sie die Besitzer des Standes sind. Und die Stadt ist die Besitzerin des Bodens, auf dem er steht. Das schöne Wort Superädifikat bezeichnet dieses im Allgemeinen ungewöhnliche, im Wiener Marktstandbusiness aber übliche Besitzverhältnis. Entwickelt hat sich das laut Alexander Hengl aus dem Umstand, dass die Stadt sich nach dem 2. Weltkrieg den Wiederaufbau der zerstörten Märkte nicht leisten konnte und ihn deswegen der Initiative von Geschäftsleuten überlassen hat – ohne ihnen aber den Grund dazu zu verkaufen. Als Reaktion auf den Supermarktknick in den 60er Jahren hat Wien weitere, für sie unrentabel gewordene Standorte an Private verkauft, sodass der Superädifikatsanteil heute so aussieht:
Schwendermarkt: 50%
Naschmarkt: 33%
Volkertmarkt 100%
Vorgartenmarkt 0%
Rochusmarkt 100%
Viktor Adler Markt 100%
Meidlinger Markt 100%
Gersthof 100%
Karmelitermarkt 100% – 1 Stand

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