Zucchero

Branka Cvejanovics Mann war seit drei Jahren arbeitslos und als sie selber ihren Job als Kellnerin verlor, entwickelten die beiden die Idee, selber ein Lokal aufzumachen. Dass es das Zucchero wurde, war ein Zufall. Das Lokal ist erst 2010 völlig neu gestaltet eröffnet worden. Der Besitzer hat es an einen Koch verpachtet, der allerdings laut Cvejanovic keine Ahnung von Gastronomie hat und deswegen nach nur einem Jahr wieder zusperren musste. Im Winter hätte ein Freund von Cvejanovics Stiefsohn das Lokal übernehmen sollen. Als der im letzten Moment abgesprungen ist, wurden Cvejanovic und ihr Mann auf das Lokal aufmerksam und haben ziemlich spontan entschieden, es damit zu versuchen.

Seit Februar pendelt sie von Simmering in die Mariahilfer Straße 202. Das Geschäft entwickelt sich langsam, aber es ist eine schwierige Gegend hier. Es gibt jetzt einen Schanigarten und ein paar Stammgäste sind auch schon gewonnen, aber es ist noch genügend Luft nach oben vorhanden. Cvejanovic ist klar, dass man hier Geduld braucht, weil nicht das ganze Viertel darauf gewartet hat, dass endlich ein neues Café aufmacht. Mit ihrem Plan, sonntags Brunch zu veranstalten, wartet sie noch, bis sich das Lokal besser etabliert hat.

Das Zucchero soll aber kein „Jugolokal“ werden. Das sind nach Cvejanovics Erfahrung Modeerscheinungen, die zwei, drei Jahre sehr gut gehen und dann zieht die Kundschaft weiter zur nächsten Attraktion. Außerdem hält sie ihre „Exlandsleute“ für schwierige Gäste, weil „die geben zweimal im Monat 80 Euro aus und glauben, deswegen gehört das ganze Lokal ihnen“. Einfacher sind die ‚Österreicher, „die kommen rein, bestellen einen Kaffee, lesen ruhig ihre Zeitung oder spielen mit ihrem Handy, zahlen und gehen.“ Deswegen läuft im Lokal auch immer internationaler Popkanal; auf Balkansound wird nur umgeschaltet, wenn es abends einmal länger wird.

Cvejanovic findet, dass die Herkunft aus den verschiedenen Teilrepubliken in Wien keine große Rolle mehr spielt. Zumindest ihr Lokal ist gelebte ‚Internationalität‘:  Sie selbst kommt aus Kroatien, ihre Kellnerinnen aus Serbien, Bosnien und Slowenien. Ursprünglich wollte sie zwei Kellnerinnen anstellen. Davon ist sie inzwischen abgekommen, weil es so schwierig ist, gutes, verlässliches Personal zu finden, und das ständige an- und abmelden ist so teuer, dass sie zu geringfügigen Anstellungen übergegangen ist.

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