Archiv für den Monat Dezember 2013

Frau Gschaar ist unwirsch

Sie mag nicht mehr über die Schließung ihres Handarbeitsbedarfsgeschäfts reden. Zu oft ist sie in der letzten Zeit von ihren StammkundInnen gefragt worden, ob sie ihr denn ihren Laden wirklich und ohne Ersatz und für ganz immer zumachen wolle. Während sie demonstrativ weiterarbeitet und die verbliebene Ware im fast schon leeren Raum umgruppiert, erzählt sie dann aber doch ein bisschen. Sie war 25 Jahre hier. Das Geschäft ließe sich nach wie vor rentabel führen – wenn man selbst drin steht und sich nicht mehr als eine geringfügige Arbeitskraft zukauft. Frau Gschaar hat aber schon 43 Arbeitsjahre hinter sich und das reicht ihr. Deswegen ist am 6.12. Schluss.
Laut Vertrag hätte sie die das Lokal branchenintern weitervermieten können. Das wollte sie auch, es gab einige InteressentInnen, aber denen hat dann der Standort nicht gepasst oder sie haben sich zum Ärger von Frau Gschaar einfach nicht mehr gemeldet. „Die können jetzt woanders von Null anfangen, während sie hier einen guten Kundenstock übernehmen hätten können“ (über dessen Größe gibt es aber keine Auskunft). Tatsächlich haben in letzter Zeit in der weiteren Umgebung 3 Wollgeschäfte eröffnet. Die Nachfrage scheint zu steigen. Ohne küchensoziologische Schlüsse daraus ziehen zu wollen, passt das zum Umstand, dass eine feministische Freundin von mir kürzlich einen Nähkurs gemacht hat.

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