Archiv für den Monat Juni 2017

„Ich bin von diesem Stempel gefangen.“

Ursprünglich war ausgemacht, dass Ahmad in die Türkei flieht, dort Arbeit sucht und seine Familie dann nachkommt. Ahmad hat aber keinen Job gefunden und ihm ist bald klar geworden, dass die Türkei kein gutes Land für ihn ist. Deswegen haben er und seine Frau Lamia beschlossen, dass er es in Österreich oder Deutschland versuchen soll. Nach dem, was sie gehört hatten, haben sie damit gerechnet, dass es etwa ein Jahr dauern würde, bis sie wieder zusammen wären und dass Ahmad bis dorthin durch Arbeit etwas angespart hätte.
Lamia versteht noch weniger als Ahmad, was da jetzt in Österreich tatsächlich vor sich geht und der einzige, den sie dafür verantwortlich machen kann, ist Ahmad. Dessen Whatsapp-Profilfoto zeigt in relativ guten Zeiten seinen Sohn Daniel, in schlechten Zeiten eine EKG-artige Zackenkurve – und jetzt ist es schwarz. Er telefoniert zwar weiterhin jeden Tag mit Syrien, aber Lamia und Daniel wollen nicht mit ihm reden.
Ahmad hadert damit, dass er wegen dem vielen Deutschlernen sein Englisch ganz schlecht geworden ist, am liebsten möchte er Deutsch wieder verlernen und in ein anderes Land gehen, aber seine Optionen sind extrem begrenzt. Nach Syrien kann er nicht, eine Rückkehr in die Türkei (was sich Lamia wünschen würde) kommt für ihn nicht in Frage und in ein anderes EU-Land kann er wegen der Dublin-Regeln nicht.

Advertisements