Familiennachzug

Nach langer Zeit hat Ahmad jetzt wieder ein Foto der ganzen Familie als WhatsApp-Profilbild. Wie lange es dauern wird, bis die drei tatsächlich wieder zusammen sind, ist offen. Lamia, Ahmads Frau, muss jetzt einen Visum-Antrag bei einer österreichischen Botschaft stellen. Weil es in Syrien keine österreichische Vertretung mehr gibt und sie sich die Anreise zu einer anderen Botschaft nicht leisten können, muss Lamia in den Libanon fahren. Davor hat sie große Angst, weil Gerüchte von massiven übergriffen auf Syrer*innen umgehen. Bei den täglichen Telefonaten fragt sie Ahmad immer wieder, ob es nicht doch eine Alternative dazu gibt. Er hat auch Angst, ist aber trotzdem genervt, weil er nichts tun kann und das Gespräch jedes Mal aufs Neue darauf hinausläuft, dass es keine Alternative gibt.

Wenn der Antrag gestellt ist und Lamia hoffentlich heil zurück in Syrien, schickt die österreichische Botschaft den Antrag ans Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA). Dort wird eine sogenannte Wahrscheinlichkeitsprognose^ für das Asylverfahren von Lamia und Sohn Daniel erstellt; das bedeutet, dass das BFA die Glaubwürdigkeit der Dokumente prüft und im Zweifelsfall eine DNA-Probe gemacht wird. Wenn die Prognose positiv ausfällt, empfiehlt^^ das BFA dem Außenministerium die Einreise zu gestatten, und in aller Regel erhalten die Angehörigen dann ein Visum.
Das ganze dauert im Schnitt ca 9 Monate^^^. Wie und warum es zu dieser langen Dauer kommt, ist unklar. Ahmad, Lamia und Daniel können wieder einmal nur warten.

^ Das einzige Kriterium, das Angehörige im (dann in Österreich durchzuführenden) Asylverfahren erfüllen müssen, ist, dass sie glaubwürdigerweise zur Kernfamilie gehören. Die positive Entscheidung fällt also de facto schon mit der Anerkennung der Familienmitgliedschaft, deswegen ist „Wahrscheinlichkeitsprognose“ irreführend und es sollte eher „Überprüfung“ heißen.
^^ das Außenministerium sagt, die Empfehlung ist bindend, das Innenministerium sagt, sie ist es nicht. In der Praxis folgt das BMEIA der BMI-Empfehlung jedenfalls immer.
^^^ Durchschnittswert aus Schätzungen von NGO-Vertreterinnen von Diakonie/Asylkoordination; von den Ministerien gibt es keine Zahlen.

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