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gottesheim

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Es ist kein Zufall, dass den Juwelier Gottesheim eine Fassade schmückt, die ein bisschen behauptet, der Allmächtige gehe hier ein und aus. Diesen seltenen Fall von einem visuellen Kalauer haben Ernst und Josefine Gottesheim mit einem deutschen Architekten ausgeheckt, als sie hier 1989 ihr Geschäft eröffnet haben. Auch religions- und wirtschaftsgeschichtlich ist das eine stimmige Idee: Wie das Gotteshaus ist auch das Gottesheim die schlecht besuchte irdische Manifestation eines virtuellen Geschäftsmodells, und trotzdem verlangen die Zentralen die Erhaltung von Filialen als sichtbares Zeichen ihrer Existenz.
Im Fall des Juweliers ist die Zentrale der dänische Schmuckserienanfertiger Trollbeads, dessen Perlenvariationen hier so gut wie ausschließlich verkauft werden.² Eigentlich leben die Gottesheims zwar längst vom online-Handel, Trollbeads verlangt aber von jedem Lizenznehmer eine physische Filiale, sodass die Juweliersfamilie monatlich 2500.- plus Präsenzdienst für den Standort ablegen muss. Warum sie sich kein billiges Pro-forma-Geschäft in Mistelbach sucht, bleibt ungeklärt, aber dafür bleibt uns eine der lustigsten Fassaden östlich von Las Vegas erhalten.

²Die smarte Gschäftsidee: Jedes Schmuckstück ist Teil einer Serie. Wer einmal darauf eingestiegen ist, kommt schwer wieder davon los, weil sich nie wieder jemand Gedanken darüber machen wird, welche anderen Dinge man zu Weihnachten oder zum Geburtstag sonst noch schenken könnte (ganz ähnlich werden Kinder angefixt, nur Kosten Sammelbilder etc nicht zwischen 28 und 1369 Euro.)

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